Thomas Nast (1840 in Landau geboren), ist der Vater der politischen Karikatur in den USA. Er wurde zum Zeugen, Kommentator und Kritiker der aufstrebenden amerikanischen Bundesstaaten. Viele seiner Karikaturen sind so brandaktuell wie vor 150 Jahren. Das zu zeigen, ist eines unserer Anliegen im Jahre seines 175. Geburtstages.

Roter Gentleman zum gelben Gentleman: „Das Bleichgesicht hat Angst, dass ihr es verdrängt, wie er es mit uns gemacht har.

In seiner Karikatur stellte er bereits 1879 die Fragen, die uns heute insbesondere auch in Deutschland ganz aktuell bewegen. Wer ist das Volk? Wer gehört dazu, wer nicht? Wie ist die Stellung der Einwanderer? Die jüngsten Ereignisse in Europa beinhalten exakt dieses Problem.

Die Bildunterschrift lautet:" Every dog (no distinction of color) has his day." (Jeder Hund (gleich welcher Farbe) hat mal seinen Tag, bekommt mal seine Chance.) Nast karikiert mit bissiger Ironie die Ablehnung von Einwanderern anderer Nationalitäten und die daraus
resultierende Fremdenfeindlichkeit. Seit der Eroberung Nordamerikas und der Verdrängung der Indianer werden alle nachfolgenden Einwanderungswellen mit großem Argwohn betrachtet und abgelehnt. Die Iren verdrängen, dass sie selbst als Immigranten Fremdenfeindlichkeit erfahren haben ("Irish need not apply" - Iren brauchen sich erst gar nicht zu bewerben) und fordern die Vertreibung der Einwanderer aus China. Als billige Arbeitskräfte waren diese für den Bau der Eisenbahn unerlässlich.
Ein Schwarzer, auf einem Baumwollballen ruhend, sagt prophetisch "My day is coming" ( Mein Tag wird kommen), während das Plakat des rassistischen Geheimbundes Ku-Klux-Klan ganz oben rechts verkündet: "Down an the nigger" (Nieder mit den Niggern).
Der Indianer raunt dem Chinesen ins Ohr: Das Bleichgesicht hat Angst, dass du es verdrängst, wie er es mit mir gemacht hat.

In seiner Karikatur von 1869 „Uncle Sam's Thanksgiving Dinner" zeichnet Nast seine utopische Wunschvorstellung: Alle Amerikaner gleich welcher Herkunft haben gleiche Bürgerrechte. Die Gastgeber Uncle Sam (rechts oben, den Truthahn tranchierend) und Columbia (Personifikation von Nordamerika im 18. Jahrhundert) laden zum Festessen: Deutsche, Indianer, Franzosen, Araber, Briten, Iren, Chinesen, Italiener und Spanier feiern das Erntedankfest wie Mitglieder einer großen Familie.

Wie vor 150 Jahren in den USA stellt sich heute in Europa die Frage: Wie gehen wir in Europa mit Flüchtlingen und Zuwanderern um?

Das Gemälde über dem Kopf Uncle Sams stellt das erste Auffanglager ,Castle Garden' dar,  später ersetzt durch ,Ellis Island' mit der einladenden Überschrift „Welcome". In der Mitte der Tafel prangt ein Tafelschmuck mit den Worten Self-Government (Selbstverwaltung) und „Universal Suffrage" (allgemeines Wahlrecht). In der Portraitgalerie oben links finden wir George Washington mit seinem Aufruf „Niemandem Böses, allen zum Wohl". In den Ecken unten fordert Nast „come one, come all" (Kommt einer, dürfen alle kommen). Und „free equal" (frei und gleich).
Die Positionierung Columbias zwischen einem Schwarzen und einem Chinesen veranschaulicht Nasts Forderung von Bürgerrechten für diese Gruppen und die Verurteilung von Gewalt und Diskriminierung gegen sie.

Thanksgiving — Erntedankfest

Thanksgiving ist in den USA das wichtigste Fest im Jahreskreis, zu dem sich oft alle Generationen einer Familie versammeln. Es zitiert Elemente aus dem leben der Pilgerväter, die im Jahr 1620 an der Küste Massachusetts gelandet waren. Sie standen vor dem Nichts und dem Hungertod. Ohne Hilfe des Indianerstammes der Wampanoag hätten sie den Winter nicht überlebt. Im Herbst 1621 feierten sie ein gemeinsames dreitägiges Ernte-dankfest.
Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts war das Fest jährliches Ereignis in den Neuengland-Staaten. Alle anderen Staaten schlossen sich im Lauf der Zeit an. Danach verlor sich die ursprüngliche religiöse Bedeutung und das Erntedankfest verweltlichte zu einer Familienzusammenkunft mit Thrut-hahn Festessen und Wohlfahrt für die Armen. 1941 setzte der Kongress den nationalen Feiertag auf den 4. Donnerstag im November fest.

Quelle: Nathaniel Philbrick, „Mayflower-Aufbruch in die Neue Welt", Blessing-Verlag, 2006 Wikipedia

Die galante Presse

Die galante Presse
Man kann zwar dem Feuer entkommen, aber.....
oder:
Es gibt nicht Neues am Markt der Boulevard- Presse

Mit dieser Karikatur verteidigt Nast Kate Claxton, eine populäre Schauspielerin, gegen ein Gerücht, das unverantwortliche Journalisten gestreut haben. Ihre Anwesenheit in einem Gebäude soll Unglück bringen.
Der Aberglaube bricht aus, als ein Theater in Brooklyn, wo sie auftritt, und ein Hotel in Saint Lewis, wo sie Gast ist, durch Brände zerstört werden. In der Presse werden Witze darüber und fingierte Interviews veröffentlicht, worauf der Brief in der Karikatur hinweist.

Die Journalisten sind als kleine, eselköpfige Gnome dargestellt, die die Schauspielerin verfolgen und umschwirren. Einige davon halten kleine Fackeln in der Hand und versuchen, die Schauspielerin in Brand zu setzen, andere zerren an ihrem Kleid. Auf dem Brief, den der kleine Esel rechts in der Hand hält, steht: "wir sind SO lustig". Weitere Inschriften lauten:
"Spaß, so wertlos wie Dreck", "Billigen Spaß findest du in der Presse" und "Feuer, Feuer! Kate Claxton kommt."

Die Karikatur erregte große Aufmerksamkeit und die üblen Unterstellungen verebbten weitgehend. Einige Wochen nach der Veröffentlichung der Karikatur drückt die Schauspielerin Nast in einem Brief ihre große Wertschätzung aus: "Gleich nach meiner Rückkehr aus dem Westen ergreife ich die erste Gelegenheit, um Ihnen für Ihr großes und unerwartetes Wohlwollen mir gegenüber zu danken. Sie haben mir mit dem Strich ihres wunderbaren Bleistifts einen unbeschreiblichen Dienst erwiesen. Ich bin Ihnen auf ewig dankbar. Ich danke Ihnen. Ich danke Ihnen."

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