Thomas-Nast-Preis für Satire 2018

Zitat aus „Das kann nur besser werden“ von Karikaturist Gerhard Mester, Wiesbaden

„Karikatur ist eine Mischung aus saurem Hering, Honig, Schlagsahne und einem kräftigen Schuss Schwefelsäure“ „Karikaturen stellen fest und bloß, sie adeln und tadeln, sie verkleiden und entkleiden, sie provozieren, brüskieren und demaskieren,“

Mit diesen Vorgaben wurden 125 Karikaturen deutscher und französischer Karikaturisten bewertet, und die Preisträger Frank Hoppmann, Burkhard Fritsche und Philippe Umbdenstock ausgewählt, ob sie den Maßstäben Nasts und Ungerers genügen.

Die Mitglieder des Preisgerichts Dr. Thérèse Willer, Leiterin des Tomi-Ungerer Museums in Straßburg, Dr. Dagmar Gilcher, Kulturredakteurin DIE RHEINPFALZ Ludwigshafen, Edelgard Scheider-Jahn, Dr. Michael Martin, Gerhard Mester, Dr, Christof Wolff und Hubert Lehmann waren von den eingereichten Werken sehr angetan: Die Szene lebt und es gibt auch noch Publikationen, die unseren Preisträgern und vielen anderen ein Forum bieten.

Der Vorsitzende Hubert Lehmann schätzte sich sehr glücklich, die Reihe der Thomas-Nast-Preisverleihungen, die vor Jahren von Frau Gudrun Schäfer initiiert wurden, fortzusetzen.

Dank der Vermittlung von Oberbürgermeister Thomas Hirsch konnte die finanzielle Grundlage zur Durchführung 2018 geschaffen werden.

Viele haben zum gelungenen Festakt im vollbesetzten Kleinen Saal der Jugendstil-Festhalle beigetragen, so z.B. Alexandra Fischer, die eine die Präsentation mit den Künstlern und ihrer Werke gestaltet hat, der Jazz-Pianist Adrian Rinck mit sehr gelungenen Interpretationen  z. B. der Europa -Hymne und die drei Laudatoren

Dr.. Willer, Dr. Gilcher und Gerhard Mester.

Bürgermeister Michael Schmitt aus Straßburg hat ein leidenschaftliches Plädoyer für deutsch-französische Freundschaft und die Europa-Idee gehalten.

Die Rede von Prof. Dr. Frank Überall war eine Laudatio für das Medium Karikatur – an anderer Stelle nachzulesen.

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v.l.n.r.: Dr. Thérèse Willer/Tomi-Ungerer-Museum Straßburg, Hubert Lehmann/Vorsitzender des Thomas-Nast-Vereins Landau, Dr. Dagmar Gilcher/DIE RHEINPFALZ, Phil Umbdenstock/Preisträger, Frank Hoppmann/Preisträger Burkhard Fritsche/Preisträger, Prof. Überall/Vorsitzender des Deutschen Journalisten Verbands, Oberbürgermeister Thomas Hirsch, Gerhard Mester/Karikaturist Wiesbaden, Bürgermeister Michael Schmitt/Strasbourg

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Frank Hoppmann trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

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Prof. Dr. Frank Überall
Bundesvorsitzender

Deutscher Journalisten-Verband (DJV)

anlässlich der Preisverleihung Thomas-Nast-Preis für Satire 2018

an Frank Hoppmann, Burkhard Fritsche und Philippe Umbdenstock am 04. Dezember 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Lehmann, 

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hirsch,

dieser Abend steht heute ganz im Zeichen der Karikaturen. Und jetzt stehe ich als Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands vor Ihnen, für einen Festvortrag. Ich bin im Vorfeld schon gefragt worden, ob ich denn selbst Karikaturist sei oder was mich hier nach Landau führt. Ganz ehrlich: Zeichnen kann ich nicht. Aber ich bin gerne der persönlichen Einladung Ihres Oberbürgermeisters Thomas Hirsch gefolgt. Ich bin gerne hier, weil Karikaturen und Medien doch immer eine enge Beziehung pflegen. Uns unterscheidet im Wesentlichen ein Detail: Wir „klassischen“ Journalisten drücken uns eher in Worten, Tönen und Bildern aus. Karikaturisten dagegen nutzen ihre spitzen Stifte und ihre scharfen Pinsel für zugespitzte, eben: zeichnerische Statements. Doch dazu später mehr.

Ich hatte es schon erwähnt - zeichnen kann ich nicht. Das habe ich zum Glück früh in meinem Leben festgestellt: In der Schule. Da hatte ich einen Klassenkameraden, der konnte zeichnen. Und er hat immer wieder in Karikaturen unsere Lehrer dargestellt. Ich dagegen habe damals kleine, oft ironische Texte über die Damen und Herren Pädagogen verfasst. Unsere jeweiligen Werke haben wir uns dann auf kleinen Zettelchen gegenseitig zugeschoben. 

Die Lehrer merkten uns diese Abgelenktheit - und das manchmal ungezwungen laute Lachen - schnell an, so dass wir fortan nicht mehr nebeneinander

sitzen durften.  Und so saßen wir im Klassenraum weit auseinander, und Sie können es sich wahrscheinlich vorstellen: Die durch die Reihen der Mitschüler kursierenden Zettelchen brauchten immer länger, bis sie beim jeweils anderen angekommen waren. Zu groß war die Verlockung für die ganze Klasse, die Zettelchen zu öffnen und selbst die Zeichnungen und Texte zu genießen.

Daraus ist dann schnell eine Schülerzeitung geworden. Wir hatten also damals schon die unterhaltsame Symbiose aus Karikaturen und Texten genutzt. Letztlich geht es bei der Veröffentlichung professioneller Karikaturen in Zeitungen und Zeitschriften um nichts anderes. Der klassische Journalismus lockt ein Massen-Publikum an, die ironisch zugespitzten Zeichnungen lockern die Darreichung unserer manchmal trockenen journalistischen Texte auf. Die Symbiose funktioniert. Kaum ein aktuelles Printprodukt verzichtet darauf, zumindest hin und wieder eine Karikatur zu veröffentlichen - bei vielen gibt es zum Glück sogar regelmäßige, feste Rubriken dafür.

Karikaturen halten uns einen Spiegel vor, und was dort zu sehen ist, hat wenig mit journalistischer Objektivität zu tun. Das ist übrigens ein ganz grundsätzliches, zuweilen auch vorsätzlich herbei geführtes Missverständnis in der derzeitigen öffentlichen Diskussion - dass Journalismus grundsätzlich objektiv zu sein habe. Diese Forderung hört man in letzter Zeit gerne von denen, die unseren Berufsstand lauthals als Lügenpresse brandmarken. Es gab sogar mal eine Politikerin von Rechtsaußen, die meinte, Berichte über Parteitage in den Medien hätten gefälligst wie ein offizielles Protokoll zu klingen. Das ist natürlich Unsinn. 

Eine solche Sichtweise blendet auch aus, dass Journalismus aus ganz unterschiedlichen Stilformen besteht. Sie glauben gar nicht, wie häufig sich bei mir als Bundesvorsitzenden des DJV, Europas größter Mediengewerkschaft, Menschen bitter beklagen, dass etwa Beiträge in Tageszeitungen nicht objektiv seien. Fragt man dann nach einem konkreten Beispiel, wird einem meist ein Artikel genannt, der ausdrücklich als Kommentar gekennzeichnet ist. Entweder zeugt das von einem erschreckenden Mangel an Medienkompetenz oder von einer undifferenzierten Angriffslust gegenüber dem unabhängigen und kritischen Journalismus als System. Neben dem Bericht gehören zu den Stilformen des Journalismus eben auch der Kommentar, die Glosse, die Satire - und: die Karikatur. Wer das in der politischen Auseinandersetzung bewusst ausblendet, stellt die Pressefreiheit und damit ihre wichtige Funktion in der Demokratie in Frage. Dagegen sollten wir alle uns wehren. Was bedeutet denn der von solchen Kritikern so gerne benutzte Begriff „Lügenpresse“? Lügen heißt schließlich, vorsätzlich die Unwahrheit zu berichten. Natürlich passieren auch bei uns im Journalismus Fehler, aber einen Vorsatz, falsch zu berichten, gibt es mit Sicherheit nicht. der Begriff der Lügenpresse ist deshalb falsch. Wir sind keine Lügen-Journalisten, und es gibt auch keine Lügen-Karikaturisten!

Text und Zeichnung haben aber sozusagen als Darreichungsform schon unterschiedliche Aufmachungen. Im Gegensatz zum Kommentar können bewusste oder unbewusste Verwechselungen der Intention bei einer Karikatur nicht auftreten. Diese comichafte Darstellung einer Situation weckt stets Erwartungen der Überspitzung, der Übertreibung, des Lächerlich-Machens. Das ist das Wesen der Karikatur, sie stellt keinerlei Anspruch auf Objektivität, sie ist streng subjektiv. Sie stellt wie unter einem Brennglas etwas dar, das aktuell und - wie es heute in den Redaktionen so gerne formuliert wird - gesprächswertig ist. Um in diesem gesellschaftlichen Gespräch mitreden beziehungsweise mitdenken zu können, muss man eine Karikatur erst einmal verstehen. Man muss sie entschlüsseln, muss die Anspielungen und Übertreibungen sowie den dahinterstehenden Witz dekodieren können. Das heißt, man muss gut über das Tagesgeschehen und seine Hintergründe informiert sein. Diesen Rohstoff der Information und Einordnung zu liefern, das wiederum ist die Aufgabe des klassischen Journalismus. Der Karikaturist - oder die Karikaturistin - macht sich vor dem Hintergrund dieses Gelernten dann lustig.

Ich habe großen Respekt vor dieser Arbeit: Nicht nur, weil ich selbst nicht zeichnen kann. Humor abzuliefern, ist eine Herausforderung. Ideen müssen entworfen und immer mal wieder auch verworfen werden. Und an erster Stelle steht, dass Karikaturisten zunächst selbst einmal verdammt gut informiert sein müssen. Sie setzen ja längst nicht jedes Thema in eine treffende Zeichnung um, ihr kreativer Prozess beginnt gerade mit der Auswahl der Themen, die überhaupt zugespitzt und dargestellt werden können. Das ist eine noch größere Herausforderung als beispielsweise bei unseren fotografierenden Kolleginnen und Kollegen. Die drücken sich zwar auch mit Hilfe visueller Kommunikationsmittel aus, vielleicht auch zugespitzt bearbeitet mit Photoshop, aber ihre Aufgabe ist eher die Information - mal abgesehen von denen, die Bilder satirisch am Computer bearbeiten und damit in eine gewisse Nähe zu den Karikaturisten kommen - aber eben nur in eine gewisse Nähe, denn das eigenständige zeichnerische Können ist schon eine ganz besondere Klasse an sich.

Karikaturen als intellektuelle Bilderrätsel lenken unsere Aufmerksamkeit auf einen Zusammenhang, den wir so vielleicht noch gar nicht wahrgenommen haben. Neben allem Humor geht es also auch um eine gewisse - meist sozialkritische - Fokussierung auf ein objektiv vorhandenes Streitthema. Oder ein Thema, über das bei aller bisher gewohnten Alternativlosigkeit mal gestritten werden sollte. Die Wirkung dieser zeichnerischen Kommentare kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Der Mensch lernt vor allem mit Hilfe von Bildern, er denkt häufig in Bildern, und natürlich fühlt er sich von der journalistischen Stilform der Karikatur deshalb besonders angesprochen. Dabei greifen Karikaturisten immer wieder auf Klischees zurück. Der deutschen Michel, etwas trantütig und schlafmützig, steht fūr uns als hier ansässigen Menschenschlag. Eine Taube steht für den Frieden, ein Skelett für den Tod, ein Zepter für Macht. Für meine Heimatstadt Köln steht meist diese gotische, überdimensionierte Bahnhofskapelle. Und für Landau? Vielleicht eine Flasche Wein - versehen mit einem Verbotsaufkleber, den edlen Tropfen doch bitte nicht im Stadtpark zu konsumieren...Ihre Reaktionen zeigen: Das Ergebnis einer auch nur erdachten Karikatur kann ein amüsiertes Lächeln sein, ein ungezwungenes Auflachen, ein despektierliches Mundwinkel-Verziehen oder geballter Ärger. In einer weiteren Steigerungsform gibt es dann die ungezügelte Wut. Zuspitzungen sind eben nicht nur das Mittel der Wahl für journalistische Karikaturisten, sondern auch für politische Populisten. Letztere sind eigentlich auch nichts anderes als eine Karikatur echter Politik. Aber es gibt Wutbürger, bei denen ein solcher karikierender Politikstil anknüpfungsfähig ist. Sie interessieren sich nicht für das ganze Bild, sie nehmen nur noch die Zuspitzung wahr. Das ist in etwa so, als würde man seinen gesamten medialen Informationskonsum allein auf Karikaturen stützen. Da würden dann die genannten journalistisch-redaktionellen Kategorien der Information und der Einordnung fehlen. Entstehen würde ein Zerrbild der Wirklichkeit, bei dem Ernsthaftigkeit und Vertrauen in Gesellschaft und Demokratie keinen Raum mehr fände. Der Kontext ginge verloren, der genauso wichtig ist für das Verständnis von Karikaturen einerseits und der politischen Entscheidungsprozesse andererseits.

Wie heftig Karikaturen die Gesellschaft erschüttern können, haben wir in unserer Nähe vor allem in Dänemark oder Frankreich gesehen. Es ist jetzt beispielsweise schon fast vier Jahre her, dass Zeichnungen des islamischen Propheten Mohammed in der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ nicht nur Proteststürme ausgelöst haben. Radikale Islamisten löschten damals bei einem Angriff auf die Redaktionsräume der Zeitschrift fast das ganze Team aus. Ich denke, auch bei so einer feierlichen Veranstaltung wie heute Abend hier sollten wir dieses Attentat nicht vergessen, bei dem elf Menschen getötet wurden, darunter viele Karikaturisten. Und wer denkt, das ist nach gut vier Jahren alles längst Gesichte, der liegt falsch: Noch vor wenigen Wochen gab es in Pakistan Ausschreitungen, nachdem ein Rechtspopulist in den Niederlanden zu einem Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb aufgerufen hatte. Es ist klar, dass es dabei um gezielte politische Provokation ging, und letztlich wurde der umstrittene Wettbewerb dann auch abgesagt. Trotzdem zeigen diese jüngsten Vorkommnisse, wie schnell Karikaturen nicht nur zum Politikum werden, sondern ernsthafte diplomatische Verwicklungen und letztlich auch Ausschreitungen auf der Straße verursachen können. Politische Situationen zugespitzt und dann auch noch mit bissigem Humor darzustellen, ist nicht jedermanns Sache. Es zwingt aber dazu, sich überhaupt einmal mit Fragestellungen auseinanderzusetzen.

Das führt zu der Frage: Darf man sich über alles lustig machen? Bei uns in Deutschland ist die Kunstfreiheit, genauso wie die Presse- und Meinungsfreiheit, garantiert. Satirische Kunst darf sogar viel weiter gehen als der klassische Journalismus. Aber es gibt eben auch Grenzen: Juristische und moralische. Die gesetzlichen Schranken sind zwar beständiger als die des bloßen gesellschaftlichen Geschmacks, trotzdem ist beides immer auch Verhandlungssache. Wir brauchen einen Konsens darüber, dass die genannten Freiheiten grundsätzlich (und auch grundgesetzlich) gelten, Aber wir müssen auch immer wieder auf‘s Neue darüber ernsthaft diskutieren, wie viel der Spaß darf.

Dass nicht nur radikale Islamisten ihre Probleme mit Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed haben, liegt auf der Hand. Auch Christen können sich darüber ereifern, wenn Gott oder Jesus satirisch dargestellt werden. Dazu keine Karikaturen mehr zu zeichnen oder zu veröffentlichen, kann aber nicht die Lösung sein. Natürlich können diese visuellen Kommentare immer auch - aus subjektiver Sicht - verletzen. Manches ist zwar satirisch gemeint, wird aber getrieben durch Vorurteile. Zuweilen ist das lustig, wenn es um Politiker oder Rathausmitarbeiter gehen mag. Manchmal aber wird die Grenze des guten Geschmacks überschritten: Karikaturen, die Juden systematisch herabsetzen, die Rechtsextremismus verherrlichen oder die Migranten verunglimpfen, sind bei uns nicht anschlussfähig im gesellschaftlichen Diskurs - zum Glück. Wobei es immer wieder Grenzfälle gibt, wie das Beispiel von Dieter Hanitzsch zeigt: Er zeichnete die Gesichtszüge des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu besonders unvorteilhaft. Die „Süddeutsche Zeitung“ kündigte ihm deshalb die Zusammenarbeit auf. Der Deutsche Presserat dagegen beanstandete die satirische Zeichnung ausdrücklich nicht. Das zeigt, in was für einem freien Land wir heute leben. Selbstverständlich ist das nicht. Ich beschäftige mich seit einigen Jahren zum Beispiel intensiv mit der Türkei. Vor einigen Tagen hat die Bundesrechtsanwaltskammer wie Sie hier einen Karikaturenpreis verliehen. Gewinner war der türkische Zeichner Sefer Selvi. Sein Werk trägt den Titel „Meinungsfreiheit“ - es zeigt drei Affen, die sich Augen, Ohren und Mund zuhalten. Ein vierter sitzt im Käfig. In der Türkei nämlich ist die Meinungsfreiheit eingeschränkt: Für Juristen so bleibt, dass man also die so wichtigen Freiheiten der Kunst, der Satire oder der Presse nicht einschränkt. Es steht im Grundgesetz: Eine Zensur findet nicht statt. Übrigens hat der Wissenschaftler Thomas Knieper im Jahr 2002 einmal Karikaturisten gebeten, das Thema „Zensur“ zeichnerisch umzusetzen. Er wollte wissen, welche Symbole die Künstler bei diesem Thema für besonders eingängig halten. Dabei herausgekommen sind eine Schere, ein zugebundener Mund, ein Rotstift als Damoklesschwert, ein Zensurstempel, eine schwere Kette und ein fetter Zensurbalken. All das brauchen wir bei der Beschreibung der Zustände hier bei uns in Deutschland hoffentlich nie wieder. Karikaturisten, die mit Stift oder Feder dramatisch danebengreifen, trifft man nicht mit dem Gesetz, man trifft sie am ehesten durch Nichtbeachtung.

Was wir hier heute Abend machen, ist das Gegenteil: Es ist die gezielte Beachtung im Wortsinne ausgezeichneter Arbeiten. Wir lenken die Aufmerksamkeit auf ein Genre, das uns unterhält und gleichzeitig zum Diskurs anregt. Diese Zeichnungen sind inhaltlich so bunt, dass sie von vielen Blättern immer noch gerne in schwarz-weiß gedruckt werden, wodurch sie nichts an ihrer Aussagekraft verlieren, ganz im Gegenteil - man konzentriert sich auf das Wesentliche, den Inhalt. Es geht darum, gesellschaftliche Spannungen spannend dazustellen, mit dem flotten Zeichengerät einprägsame Übertreibungen zu Papier zu bringen. caricare, wie es in der lateinischen Ursprungsbedeutung heißt, meint zu beladen, zu überladen. Vorhandenes wird also überhöht, um die gedankliche Auseinandersetzung mit Hilfe der Mittel des Humors zu fördern. Dieses Verdienstes haben sich alle heute hier Ausgezeichneten „schuldig gemacht“: Sie halten uns Spiegel vor, den Mächtigen genauso wie dem sprichwörtlichen deutschen Michel (oder, um gendergerecht zu bleiben, auch der pfälzischen Michaela).Sie nehmen Verhaltensweisen und Argumente zeichnerisch auf die Schippe, und manchmal ertappen wir uns dabei, dass wir ähnlich gedacht haben oder denken wie die karikiert Dargestellten. In der besten aller Welten regt uns das an, noch einmal über festgefahrene Haltungen nachzudenken, unsere zuweilen engstirnige Welt für neue Argumente zu öffnen. Und so wird aus bissigem Humor heiterer Ernst. Denn das ist es auch, was die journalistische Stilform der Karikatur aus meiner Sicht ausmacht - durch Humor zum Denken anzuregen. In Zeiten von Populismus, Fake-News und Lügenpresse-Vorwürfen brauchen wir mehr Menschen, die das Denken nicht bloß als anstrengend empfinden, sondern sich dazu auch gerne anregen lassen.

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von l. nach r. Oberbürgermeister Thomas Hirsch, Christine Kohl-Langer, Edelgard Schneider Jahn, Hubert Lehmann, Bürgermeister Dr. Maximilian Ingenthron

 

 

 

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